Jetzt stellen Sie sich mal vor, Herr Ali Khan, da höre ich doch gestern fast freiwillig eine Radiosendung, in der ein unvorstellbar unulkiger Telefonscherz gemacht wurde, der in seinem eigentlichen Sinne eine bodenlose, wenn nicht gar hodenlose Frechheit war. Ich höre also einen Radiomoderator bei einer Dame anrufen, die, offenkundig, als ausländische Abgesandte für eine Bumsbude arbeitet. Die der deutschen Sprache nur bedingt mächtige Dame musste während dieses Telefonates so manch Übles über sich ergehen lassen, wahrscheinlich sogar mehr als in ihrem restlichen Alltag. Als Beispiele seien flachzangenartige Wortspiele wie „Annaverkehr“ und „[…]ich kann also auch mit meiner Zunge kommen?“ zuvörderst aufgeführt. Einer weiteren Schilderung des Verlaufs bedarf es nicht. Man stelle sich mal recht fantasieverbunden einen Mann endmittleren Alters vor, der sich gerne in selbstverherrlichenden Szenerien wie beispielsweise Königsthronen und in Anwesenheit von stringtangabewaffneten Poolgirlies sieht. Irgendwie macht das den Eindruck, als handle es sich hierbei ganz eindeutig um einen „Menschen“ (M. Barth, wa?), der… Was soll man dazu noch sagen? Was sollte man mit so einem Moderator machen? Ich frage Sie.

Was Will wirklich wissen wollte war wahnsinnig wichtig. In der Sendung vom 04.10.2009 versammelte die kölsche Polit-Talk-Queen Anne Will die B- und C-Promimenz unserer Staatsvertreter und Mitmischer zum Meinungsstelldichein. Schon nach wenigen Minuten offenbarte Will jedoch dem Zuschauer worum es ihr in Wahrheit ging: Subliminale Informationen über das Outfit Merkels bei einer Pressekonferenz, die „die kleineren Fragen an denen man die größere Linie erkennen kann“ Will mit aller Gewalt verstanden haben möchte. Unverholen fragte Sie den künftigen Minister Norbert Röttgen (CDU) nach der symbolischen Aussage von Merkels Hosenanzug, ob sie denn mit dem „bewusst gewählten großkoalitionären Rot-Schwarz“ den „kleineren Koalitionspartner“, sprich die FDP, darauf hinweisen wolle, dass sie da ja noch eine andere „Option“ habe. Wem aus den vorangegangenen Sendungen der Mund ob der journalistischen Flachmacherei Wills nicht noch offen stand, der wurde spätestens jetzt aufgefordert den Mundraum zu belüften.

Röttgen wiegelte daraufhin gelassen ab, doch dürfte auch ihm die Frage selten dämlich vorgekommen sein. „Denken Sie, dass das ein Zufall war?“ bohrte Will grinsend nach und erntete von Röttgen eine unverdient freundliche Antwort: „Offengestanden gebe ich zu, Ihre Frage überfordert mich.“ Damit war das Thema für den gemeinen Zuschauer zunächst vom Tisch, jedoch nicht für mich, dem Kommentator.

Ich begab mich also auf die Suche nach modischen Auffälligkeiten und den damit verbundenen Aussagen die die Runde zu bieten hat und wurde sehr schnell fündig. Im rechten Modemittelfeld saß “Schlafwagenschaffner“ Wolfgang Gerhardt (FDP) und warf mit der Wahl seines Binders eine Frage auf: Wenn das ein Leopardenmuster ist, warum sieht es dann aus wie der Hals einer Giraffe? Wollen Sie die politischen Gegner und die Wähler täuschen, ein Mimikry in Sachen Steuerpolitik sein?

Merkel-Biograph Gerd Lengguth hingegen band sich eine orangefarbene Krawatte um den Hals die seine Haarfarbe bestens ergänzte. Wollen Sie den Choiffeurinnen etwas mitteilen? Etwa, dass Löhne, wenn sie denn schon nach unten frisiert werden, wenigstens durch positive Farben an Glanz gewinnen können?

Darauf sollte ja wenigstens der krawattenlose Ottmar Schreiner (SPD) eine Antwort haben. Der ewige Agendanörgler band sich während seiner kurzen aber emotionslosen Redephasen gestisch einen Schlips dessen Farbe erkennen ließ, dass er sich am liebsten zu den Linken gesellen möchte. „Krawattenfrei und Spaß dabei oder kann die Basis nicht überzeugt werden?“, so oder so ähnlich hätten die Will’schen Fragen dazu lauten können.

Ingo Schulze, das doppelte Literaturlottchen aus Dresden, verstand es aber dem Ganzen die Krone aufzusetzen indem er sich einerseits als Linkswähler bekannte, sich aber dann doch widersprach. Oder wie sollte man sonst verstehen, dass „man eigentlich überhaupt keine Partei wählen dürfe, wenn man denn auf seine innere Stimme hören würde.“? Herr Schulze, hören Sie gerne weg wenn ihnen ihre innere Stimme etwas flüstert?

Fragen also, die Anne Will hätte stellen sollen, wäre sie in ihrer Oberflächlichkeit konsequent gewesen. Doch wie steht es um die Gastgeberin selbst? Wir sehen eine lange lila Hose ergänzt von einem zartvioletten Satinblazer, der erst nach längerem Wegsehen dazu passt. Frau Will, jetzt mal meine Frage an Sie: „Wollen Sie den Zuschauern andeuten, dass Sie bereits mit einem „optimaleren“ Rundfunksender wie beispielsweise „Eso-TV“ liebäugeln?

Ich für meinen Teil werde mir jetzt erst mal das GEZ-Kündigungsformular ausdrucken und mit schwarzer Tinte unterschreiben, die ich zusätzlich mit gelbem Textmarker hervorhebe. Und, Will, wäre das nicht ein Thema für Ihre letzte Sendung? „Öffentlich-Rechtliches Fernsehen verliert Gebührenzahler. Ist die neue Koalition schuld?“



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